„Nicht jeder Pickel ist Akne."
Ein Pickel taucht auf – und sofort greift man zu Anti-Akne-Produkten. Austrocknende Toner, Säuren, Spot Treatments, Masken.
Doch genau hier beginnt das Problem. Denn: Nicht jede Hautunreinheit ist Akne. Und nicht jedes Hautproblem braucht aggressive Wirkstoffe.
Wer falsch behandelt, verschlimmert oft genau das, was eigentlich verschwinden soll.
Warum die richtige Einordnung alles entscheidet
In der Praxis sehe ich es ständig: Haut wird „wie Akne" behandelt – obwohl sie keine Akne hat.
Das führt zu:
- noch mehr Entzündungen
- geschwächter Hautbarriere
- langfristiger Hautirritation
Bevor du behandelst, musst du verstehen, was deine Haut dir zeigt.
1. Unreinheiten – die häufigste Form
Woran du Unreinheiten erkennst
- Vereinzelte Pickel oder Mitesser
- Treten zyklusbedingt oder bei Stress auf
- Meist oberflächlich
- Heilen relativ schnell ab
Typisch z. B.: vor der Periode, bei Schlafmangel, nach Reisen oder Ernährungsumstellungen
Das ist keine Hauterkrankung – sondern eine Reaktion.
Erste Hilfe bei Unreinheiten
Sinnvolle Produktarten:
- Sanfter Cleanser
- Leichte Feuchtigkeitspflege
- Optional: mildes BHA 1–2× pro Woche
Was du weglassen solltest:
- Tägliche Peelings
- Alkoholhaltige Toner
- Mehrere Anti-Pickel-Produkte gleichzeitig
Ziel: Regulieren, nicht austrocknen.
2. Akne – mehr als nur Pickel
Woran du Akne erkennst
- Viele Entzündungen gleichzeitig
- Wiederkehrend, oft an gleichen Stellen
- Tiefer sitzend, schmerzhaft
- Abheilung dauert lange
- Kann Narben hinterlassen
Akne ist keine Frage von Hygiene und auch kein Zeichen, dass du „etwas falsch machst".
Akne ist eine entzündliche Hauterkrankung.
Erste Hilfe bei Akne
Sinnvolle Produktarten:
- Sehr milder Cleanser (Barriere-schonend)
- Entzündungshemmende Pflege
- Gezielter Wirkstoff (z. B. BHA oder Retinoid)
Was du weglassen solltest:
- Aggressives Austrocknen
- Mehrere Wirkstoffe auf einmal
- Ständiges Produktwechseln
- Mechanische Scrubs
Ziel: Entzündungen kontrollieren, Barriere schützen.
3. Irritation – oft fälschlich für Akne gehalten
Woran du Irritation erkennst
- Brennen, Kribbeln, Hitzegefühl
- Rötungen
- Viele kleine Pusteln oder raue Textur
- Haut reagiert plötzlich auf „alles"
Das Tückische: Irritation sieht oft wie Akne aus, ist aber das Gegenteil. Sie entsteht meist durch Überpflege.
Typische Auslöser
- Zu viele Säuren
- Retinol ohne Aufbau
- Zu häufiges Reinigen
- Duftstoffe & Alkohol
- Kombination zu vieler Produkte
Erste Hilfe bei Irritation
Sinnvolle Produktarten:
- Extrem milder Cleanser oder nur Wasser
- Barrier-reparierende Creme
- Beruhigende Inhaltsstoffe (z. B. Panthenol)
Was du sofort weglassen solltest:
- Säuren & Peelings
- Retinol
- Vitamin C
- Masken & Spot Treatments
Ziel: Beruhigen, schützen, nichts erzwingen.
Die häufigsten Fehler – unabhängig vom Hautproblem
Diese Fehler sehe ich bei allen drei Kategorien:
- Zu starkes Austrocknen
- „Anti-Akne auf Verdacht"
- Zu viele Produkte gleichzeitig
- Ungeduld
- Jeden Pickel bekämpfen
Hautprobleme lassen sich nicht überreden – nur begleiten.
Warum deine Haut Zeit braucht
Haut reagiert verzögert. Was du heute siehst, ist oft die Reaktion auf Pflege von vor 1–2 Wochen.
Ständiges Eingreifen = ständiger Stress.
Klarheit bringt Beobachtung, nicht Aktionismus.
Das wichtigste Fazit
Nicht jeder Pickel braucht Kampf. Manche brauchen Ruhe. Andere Struktur. Und manche professionelle Begleitung.
Je besser du den Unterschied kennst, desto weniger Schaden richtest du ungewollt an.
„Die Haut heilt nicht schneller, wenn man sie härter behandelt – sondern wenn man sie richtig versteht."
